Schon ein kleiner Stein kann sicherheitsrelevante Folgen haben – dann, wenn er mit hoher Geschwindigkeit, häufig aufgewirbelt von einem vorausfahrenden Fahrzeug, auf die Frontscheibe eines Autos trifft. Dabei entsteht meist nur ein kleiner Krater im Glas, durch den man beim Fahren – zunächst – nicht beeinträchtigt wird. Doch aus der anfangs minimal erscheinenden Schadstelle kann im ungünstigen Fall ein größerer Schaden entstehen: Dann wird aus dem kleinen Loch ein Riss in der Scheibe, der sich zunehmend vergrößern und schließlich sogar wie ein Ast verzweigen kann.

Deshalb empfehlen Sicherheitsexperten, jeden Schaden an der Windschutzscheibe so schnell wie möglich von einem Fachbetrieb oder durch eine Kfz-Werkstatt kontrollieren zu lassen. Deren geschultes Personal kann beurteilen, ob sich die defekte Frontscheibe reparieren lässt oder ob sie ausgetauscht werden muss.

Jedes Jahr sind Autofahrer mehr als zwei Millionen Mal von Steinschlag betroffen, wie der TÜV Süd ermittelt hat. Ein solcher Vorfall muss aber nicht gleich eine neue Frontscheibe nach sich ziehen. Wenn nur die äußere Schicht des Verbundglases in Mitleidenschaft gezogen ist, die Aufprallstelle des Steines nicht im Sichtfeld des Fahrers liegt und kleiner als fünf Millimeter ist, kann und darf die Scheibe repariert werden. Als Anhaltswert für den Sichtbereich des Fahrers kann die Fläche gelten, die von dem linken Scheibenwischer bearbeitet wird. Befindet sich die Einschlagstelle des Steins allerdings direkt in Augenhöhe des Fahrers und ist die Einschlagstelle größer als etwa ein Daumennagel, führt kein Weg an einer neuen Scheibe vorbei.

Andernfalls kann ein Fachbetrieb die beschädigte Frontscheibe mittels Kunstharz wieder instand setzen. Keinesfalls sollte man jedoch mit einem der Reparaturkits, die für solche Fälle im Handel angeboten werden, selbst versuchen, die defekte Scheibe zu reparieren, warnen die Experten. Denn die Frontscheibe gehört zur Sicherheitsarchitektur moderner Autos. Sie gilt daher als tragendes Fahrzeugteil und sorgt bei einem Unfall mit für den Insassenschutz, wie TÜV Süd betont. Deshalb darf die Frontscheibe auch nur von Werkstätten repariert werden, die über das dafür nötige Werkzeug, Material und Fachwissen verfügen.

Selbst Hand anlegen sollte man bei einem Steinschlag nur in Form von „Sofortmaßnahmen“ – indem man den Krater gleich abklebt, um das Eindringen von Schmutz und Feuchtigkeit in die Scheibe zu verhindern. Dafür reicht ein Stück Klebefilm. Es gibt aber auch spezielle „Scheibenpflaster“ zum Schutz beschädigter Autoscheiben. Doch sie sollten ausdrücklich nur als Provisorium verstanden werden und nicht längerfristig den Besuch einer Fachwerkstatt ersetzen.

Laut Statistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zählt Steinschlag auf der Windschutzscheibe zu den häufigsten Ursachen für einen Glasschaden am Auto. Glasbruch wiederum ist demnach der häufigste Kaskoschaden. Die mehr als zwei Millionen Glasbruch-Schadenfälle verursachen den Kfz-Versicherern nach den Angaben des Verbandes jährlich einen Schadensaufwand von rund 1,2 Milliarden Euro.

Schäden am eigenen Fahrzeug, die durch Glasbruch verursacht werden, sind durch eine Teilkasko- oder Vollkaskoversicherung abgedeckt, erläutert das Goslar Institut für verbrauchergerechtes Versichern. Um die Leistung des Versicherers zu erhalten, muss kein Grund für die Schäden genannt werden: Glasbruchschäden werden unabhängig von ihrer Ursache und Entstehung ersetzt. Um die Versicherung in Anspruch zu nehmen, muss die Scheibe auch nicht zerbrochen sein. Beschädigungen in der Glasschicht durch Steinschlag oder Risse reichen, nicht jedoch bloße Kratzer. Oft genügt den Versicherungsgesellschaften ein Foto als Beweis.

(ampnet/jri)